Ein Satz mit X, das war wohl nix mit „Entspannt am Freitag anreisen!“
Kennt ihr diesen einen Freund? Diese feinen Herrschaften, die einem tagelang in den Ohren liegen mit: „Leute, ihr MÜSST einfach schon am Donnerstag fahren! Vertraut mir, das wird der absolute Oberhammer!“? Genau so ein Exemplar ist unser Alex.
Und so nahm das Chaos seinen Lauf…
Donnerstag: Von der Autobahn-Hölle direkt in die Gothic-Hölle
Es war Donnerstag, der 1. Oktober. Unser Auto stand bepackt in den Startlöchern wie ein Formel-1-Wagen. Wir saßen wortwörtlich auf glühenden Kohlen! Einziger Klotz am Bein: Katrin und Diana mussten tatsächlich noch… arbeiten. Ja, Unverschämtheit, ich weiß.
Während der Rest unserer glorreichen Truppe (Sandra, Alex, Bonsi, Franky, Chris, Nico, Rainer und Haribo) schon längst Richtung Pardubice düste, hieß es für uns: Warten.
Punkt 17:30 Uhr: Das erlösende Signal aus Pardubice! Sandra schickte die Bestätigung: „Eure Hotelzimmer sind für heute Nacht startklar!“
Sammeln, einsteigen, Vollgas!
Während unsere Pechvogel-Vorausfahrer stundenlang im Stau verrotteten, flogen wir regelrecht über die Bahnen. Einmal kurz Auftanken für Ross und Reiter, zügig durch Prag gehobelt – kein einziger Stau! Rekordzeit!
Punkt 23:00 Uhr rollten wir am Hotel Labe auf den Parkplatz. Und wie wird man um diese Uhrzeit empfangen? Natürlich mit offenen Armen, lautem Gebrüll und einem Pegel, der vermuten ließ, dass die ersten Kaltgetränke schon um 12 Uhr mittags gegossen wurden. Aber hey: Nach so einer Fahrt gehört sich das so! Die Freude auf das Wochenende brannte lichterloh.
Katrin und Diana – vernünftig wie sie sind (und völlig platt vom Arbeitstag) – machten den gepflegten Abgang Richtung Bett.
Ich? Ich dachte mir: „Ausschlafen wird völlig überschätzt… Moment, nein, ich KANN ja morgen ausschlafen!“
Also gab es nur eine logische Konsequenz: Ab in die Gruft!
Reiner, Nico und Chris erbarmten sich und begleiteten mich in die Tiefen. Und mit „Tiefen“ meine ich das wörtlich: Die „Gruft“ ist ein Lokal, bei dem man Treppen tief hinab in einen düsteren Keller steigt. Schwarze Gewölbewände, rustikaler Flair – die ultimative Metal-Höhle!
Das absolute Highlight dort? Ein wahnwitziger „YouTube-Automat“ an der Wand. Man schmeißt tschechische Kronen rein, tippt sein Lieblingslied ein und boom: Der Metal-Klassiker, oder auch Biene Maja 😉 dröhnt auf einer riesigen Großleinwand in einer Lautstärke durch das Gewölbe, welche Tote wecken könnte..
Um 3:00 Uhr morgens torkelten wir schließlich zurück ins Hotel. Schlafen? Wird auch Zeit.
Freitag: Der Morgen danach und die Kobra-Taktik
Freitagvormittag. Mein allererstes Frühstück im Hotel Labe. Und was soll ich sagen? Der Hammer.
Das Buffet war schlichtweg Gigantisch mit einem großen G. Da gab es absolut alles, was das hungrige Schlemmer-Herz begehrt: Joghurt, frisches Obst, Säfte… Aber wer braucht schon Vitamine, wenn man Berge von Rührei, krossen Speck, Deftiges vom Metzger, frisches Brot und einen gewaltigen Klecks Nutella haben kann? Gewaschen mit einem Liter pechschwarzem Kaffee.
Doch Zeit zum Trödeln gab es nicht. Um punkt 9:00 Uhr übernahm sie das Kommando: Sandra.
Sandra war das gesamte Wochenende – inklusive Montag – unsere unangefochtene Generälin, Reiseführerin und Rudelführerin. Sie hatte die gesamte Männergruppe unter ihrer Fittiche. Und glaubt mir, diese Truppe im Zaum zu halten ist schwerer, als einen Sack Flöhe zu hüten. Aber alle gehorchten ihr aufs Wort!
Sandra wusste immer: Wann, wo, wie, was. Welches Lokal müssen wir reservieren? Was müssen wir besorgen? Wo geht’s lang?
(An dieser Stelle: Ein gigantisches Dankeschön an dich, Sandra! Du bist eine Wucht!)
Gestärkt und diszipliniert wie eine Spezialeinheit marschierten wir also los Richtung Innenstadt. Die Sonne schien, die Laune war auf 100 %. Doch kaum bogen wir um die erste Ecke, meinten ein paar Spezialisten aus der Gruppe schon wieder Frühshoppen zu machen.
Frühshoppen am Freitagmorgen? Nicht mit uns! Während ein Teil der Truppe der Konsumlust verfiel, entschied sich der Kultur-Trupp – Sandra (unsere unangefochtene Generälin), Alex, Katrin, Diana, Bonsi und ich – für die stilvollere Variante: Stadtbummel, Sehenswürdigkeiten und… Softeis!
Ein absolutes Highlight dabei: Wir haben uns den legendären Goldenen Helm von Pardubice aus nächster Nähe angesehen. Ein gigantisches Teil – wenn auch vorerst nur im Juwelierladen und nicht auf der Rennstrecke.
Nachdem wir wieder zu den Frühshopper gestoßen waren, übernahm Führungsfigur Sandra wieder eiskalt das Zepter: Busfahrkarten für das gesamte Wochenende besorgen, Tisch im Restaurant für den Abend reservieren und Abmarsch! Denn die Uhr tickte unerbittlich: Ab zum Stadion!
Freitagmittag: Biergarten, Der Fliegende Holländer & Becherovka-Taufe
Um 13 Uhr ging es los Richtung Rennstrecke, Einlass war erst um 15 Uhr. Die Wartezeit überbrückten wir strategisch im Stadion-Biergarten. Man kennt das ja: Kaum sitzt man fünf Minuten, trifft man gefühlt hunderte Bekannte. Die Zeit verflog bei dem einen (oder anderen) Kaltgetränk im Eiltempo.
Kaum standen wir auf den Rängen am Stehplatz, gab es die nächste Überraschung. Wer tauchte plötzlich wie aus dem Nichts hinter uns auf? Jesper, der fliegende Holländer!
Nach einem kurzen Ratsch und einem kühlen Getränk auf unser Wohl musste der Gute aber auch schon wieder flitzen – die Arbeit rief: Fotos schießen und Ergebnisse eintragen. Ein Multitasking-Genie bei der Arbeit!
Das Rennen selbst – die ersten zehn Läufe der SEC-Kategorie – begann gelinde gesagt… überschaubar. Start-Ziel-Siege ohne große Action. Schnarch? Von wegen! Plötzlich kippte die Stimmung, die Läufe wurden spektakulärer, die Überholmanöver wilder und am Ende war es einfach nur noch ein gigantisches Spektakel!
Nach dem Rennen klappte die Rückfahrt mit dem Bus reibungslos. Im reservierten Lokal gab es dann Top-Essen für einen schmalen Taler und Kellner mit bestem Humor.
Doch dann schlug die Stunde der Wahrheit für Katrin und Diana: Wer das erste Mal in Tschechien mit ist, kommt um das traditionelle Aufnahmeritual nicht herum. Becherovka-Zeit!
Die beiden zögerten nicht, zogen den Kräuterschnaps mit Bravour durch und ernteten tosenden Applaus von der ganzen Truppe. Offiziell aufgenommen im Team Pardubice!
Wie der Abend endete? Dreimal dürft ihr raten: Ab in die Gruft! Man kann Pardubice einfach nicht besuchen, ohne diesen Kult-Keller unsicher zu machen. Gegen 2 Uhr morgens fiel ich dann glücklich ins Bett.
Samstag: Geschenke, Promis & Renn-Action
Der Samstag startete gewohnt kulinarisch: Riesen-Frühstücksbuffet im Labe, um die Lebensgeister zu wecken.
Da die Einkaufsmeile praktischerweise direkt nebenan lag, schlenderten wir doch noch kurz durch die Geschäfte, bevor es wieder per Bus zum Stadion ging. Muster wie gehabt: Erstmal ab in den Biergarten vor der Stadionwirtschaft, während die Fanmeile so langsam zum Leben erwachte.
Und da passierte es: Ich bekam von den Kids ein Geschenk überreicht, das mich fast aus den Socken haute – das offizielle Pardubice-Trikot! Ich habe da schon seit vielen, vielen Jahren sehnsüchtig drauf geschaut, aber mich nie durchringen können. Und plötzlich drücken sie es mir einfach in die Hand. Ein Riesen-Dankeschön, Mädels!
An der Fanmeile trafen wir dann auch noch Günther Korn. Er setzte sich gemütlich zu uns – allerdings strickt alkoholfrei. Als Stadionsprecher gilt schließlich null Promille am Mikrofon! Wir haben Tränen gelacht, Kaffee geschlürft und natürlich wieder Softeis vernascht.
Um 14 Uhr dröhnten dann die Motoren zum Shorttrack-Start. Ich habe mir die ersten Läufe angeschaut, aber sagen wir es, wie es ist: Meins ist es nicht ganz. Also ging ich mi Bonsi wieder zurück in die Fanmeile, um erst einmal einen Espresso abzugreifen.
Und was soll ich sagen? Aus einem Kaffee wurden spontan drei. Bei der Gelegenheit lief mir gleich noch Heiko aus Güstrow über den Weg, den ich gefühlt eine Ewigkeit nicht mehr gesehen hatte!
Während wir so quatschen, fällt mein Blick plötzlich auf das Angebot der Standl: Sex on the Beach!
Und wie aus dem Nichts tauchte natürlich prompt unsere Reiseleiterin Sandra neben mir auf. Ein kurzer Blick, ein Nicken, schnell noch ein Softeis auf die Hand – und zack, orderte ich gleich drei „Sex on the Beach“ für Katrin, Diana und Reiner!
Da wurden sofort wieder wilde Erinnerungen wach: Damals vor der Prag-Abreise hatte sich Reiner glatt sechs dieser Ozean-Cocktails gegönnt… Sandra zog direkt nach: Noch ein Cocktail für sich und ein Cuba Libre für Alex. So marschierten wir beladen wie die Weihnachtsmänner zurück zur Gruppe.
Die Stimmung? Großartig. Es wurde gelacht, geprostet und die Zeit verflog wie im Flug.
Vollgas beim Goldenen Band und die Sache mit den 22 Burgers
Mit einer Stunde Verspätung – um 17:30 Uhr statt 16:30 Uhr – ging es dann endlich los: Das 52. Speedway-Rennen um das Goldene Band!
Die Junioren zeigten genau das, wofür man sie liebt: Hirn aus, Gashahn auf Anschlag und ohne Rücksicht auf Verluste nach vorne! Absolut spektakuläre Läufe auf dieser riesigen, breiten Bahn, die extrem viele Linien zulässt. Auch das Sechser Speedway war für Katrin und Diana eine Premiere – und die beiden waren schlichtweg begeistert!
Nach der Action hieß es wieder: Ab in den Bus, kurz ins Hotel, Sachen abwerfen und direkt weiter in das Restaurant vom Freitagabend. Warum Experimente wagen, wenn Essen, Preise und Kellner beim ersten Mal schon unschlagbar waren?
Doch ein entscheidendes Detail fehlte: Wo zur Hölle war Chris?!
Irgendwo zwischen dem Stadion-Stehplatz und der Bushaltestelle hatten wir ihn verloren. Sandra griff sofort zum Hörer. Nach einem kurzen Telefonat war klar: Er stoppt noch irgendwo und kommt nach.
Tja… sagen wir es mal so: Die Kombination aus tschechischer Sprachbarriere und einem gewissen Promillepegel führte zu einem klitzekleinen Missverständnis.
Plötzlich platzt Chris in die Gaststätte – bewaffnet mit einer gigantischen Papiertüte und 22 McDonald’s-Burgern!
Bei 11 Personen hatte er messerscharf kombiniert: „Jeder kriegt exakt zwei Stück!“ Er dachte in seinem jugendlichen Leichtsinn ernsthaft, wir hätten noch nichts zu essen bekommen. Der Haken an der Sache: Wir waren alle pappsatt. Nur Chris selbst ging leer aus, weil die Hotelküche um 21:30 Uhr den Herd schon ausgemacht hatte.
Wir haben uns vor Lachen kaum eingekriegt! Aber Ehre, wem Ehre gebührt: Die Burger wurden natürlich trotzdem vernichtet. Bis auf einen einzigen Burger blieb nichts übrig – weggeworfen wird schließlich nix! Danke Chris, du bist eine Legende!
Und wie schließt man so einen legendären Abend ab? Dreimal dürft ihr raten: Ab in die Gruft! Dieser Gewölbekeller war inzwischen unser zweites Wohnzimmer geworden. Gegen späten bzw. sehr frühen Morgen fielen wir schließlich überglücklich in die Kissen.
Sonntag: Der Härtefall-Morgen
Sonntag. Der Wecker klingelt unerbittlich. Schlafen wird in diesem Wochenende definitiv überbewertet, aber die Nacht von Samstag auf Sonntag war das absolute Minimum.
Der Grund für den Frühsport: Um 9:05 Uhr ging bereits unser Bus Richtung Stadion für den großen Finaltag! Also hieß es: Um 7 Uhr aus dem Bett quälen, Augen reiben, Frühstücken, den erlösenden Kaffee inhalieren und ab in den Bus!
Aber wisst ihr was? Es war überhaupt nicht schlimm. Egal wie wenig Schlaf wir hatten, egal ob der eine oder andere am Morgen noch etwas schwer in die Gänge kam – die Stimmung war vom ersten Augenblick an grandios. Kein Stress, keine Streitereien, einfach nur Dauerlachen und purer Spaß von morgens früh bis zum Umfallen nachts.
So machten wir uns auf den Weg zum Stadion für das große Highlight des Wochenendes. Dort angekommen ging es natürlich direkt wieder in den Stadion-Biergarten zu den anderen: Ratsch, Lachen, Anstoßen und zwischendurch wurde sogar die eine oder andere Gesangseinlage zum Besten gegeben!
An unserer Stamm-Kurve warteten bereits treu unsere Stühle auf uns. Die hatten wir seit Freitag eiskalt an Ort und Stelle stehen lassen – pragmatisch abgedeckt mit Müllbeuteln. Ein fester Stammplatz, der Gold wert war!
Schockmoment, Oldtimer-Eskorte & Ein Stadion im Ausnahmezustand
Doch mitten in der Vorfreude erreichte uns plötzlich eine Hiobsbotschaft: Günther, der Stadionsprecher, mit dem wir noch am Freitag so herzlich gelacht hatten, hatte gesundheitliche Probleme und musste ins Krankenhaus. Die Stimmung sackte in diesem Moment spürbar in den Keller. Wir alle hofften und bangten von ganzem Herzen, dass für ihn alles gut ausgeht.
Dann begann das offizielle Zeremoniell: Die legendäre Fahrervorstellung und die Präsentation des Goldenen Helms!
Das ist in Pardubice nicht einfach nur ein Rennen, das ist ein episches Volksfest. Der Goldhelm wird im offenen Oldtimer mit Polizeieskorte vom Rathaus bis mitten ins Stadion gefahren, während Tausende Fans die Straßen säumen. Das Stadion selbst war brechend voll – ich behaupte sogar: So voll habe ich es in all den Jahren, die ich schon herkomme, noch nie gesehen!
Die Atmosphäre war von der ersten Sekunde an elektrisierend. Und ganz besonders bei einem Mann: Jan Kvěch!
Wann immer der tschechische Lokalmatador an die Startband-Linie rollte, stand das gesamte Stadion Kopf. Die Menge tobte, jubelte und schrie sich die Seele aus dem Leib.
Das große Finale: Die Dämme brechen!
Und wie sollte es anders sein? Kvěch schaffte den Einzug ins große Finale!
Nachdem der Finallauf wegen Dramatik pur gleich dreimal neu gestartet werden musste, lag Kvěch bis zur vorletzten Runde noch auf dem zweiten Platz hinter Andrzejs Lebedevs. Doch dann setzte er zum entscheidenden, grandiosen Manöver an, zog vorbei und fuhr mit Vorsprung als Erster über die Ziellinie!
Sieger des Goldenen Helms von Pardubice!
Was danach passierte, lässt sich kaum in Worte fassen: Die Dämme brachen komplett! Die Fans flippten völlig aus, das Stadion explodierte förmlich vor Lärm und Jubel. Auch wir lagen uns in den Armen und feierten diesen absolut gigantischen Höhepunkt des Sonntags.
Der Abschied und ein klares Versprechen
Nach der emotionalen Siegerehrung stellte sich jedoch wie immer dieses bittersüße Gefühl ein: Das Pardubice-Wochenende war damit schon wieder Geschichte. Viel zu schnell, wie jedes einzelne Mal.
Aber eines steht felsenfest: Für Katrin und Diana war es zwar das erste Mal, aber garantiert nicht das letzte. Die Becherovka-Taufe ist bestanden, das Speedway-Fieber hat zugeschlagen und der Entschluss steht: Pardubice, wir kommen wieder!
auf dem Weg zum Bus noch einmal kräftig aufgehalten!
Nachdem die Flaggen geschwenkt und die Pokale überreicht waren, packten wir unsere treuen Stühle ein und schlenderten gemächlich Richtung Haltestelle. Aber wie das an so einem Finaltag nun mal ist: Alle paar Meter trifft man alte Bekannte, es wird gefachsimpelt, gelacht und der Sieg gebührend analysiert.
Das Ergebnis unserer Quatscherei? Als wir schließlich an der Haltestelle ankamen, sahen wir nur noch die Rücklichter. Der Bus fuhr uns haargenau vor der Nase weg!
„Egal“, dachten wir uns optimistisch, „warten wir halt auf den nächsten.“ Dass „der nächste“ allerdings geschlagene 60 Minuten auf sich warten ließ, stand definitiv auf keinem Fahrplan.
Gesänge im Partybus & Shoppen am Tag des Herrn
Als der Bus endlich anrollte, war er gerammelt voll mit feiernden Fans. Und die Tschechen machten ordentlich Krawall! Permanent dröhnte ein Fangesang durch den Bus, bei dem wir jedes Mal nur „Unser Knecht!“ verstanden haben (was wohl in Wahrheit Jan Kvěch galt). Absolut egal – die Stimmung war gigantisch, wir stimmten aus voller Kehle mit ein und feierten den Goldhelmsieger im fahrenden Festzelt.
Am Hotel Labe angekommen, wanderten die Campingstühle direkt in den Kofferraum, die Rucksäcke aufs Zimmer und die Kamera ins Eck.
Da unser gewohnter Treffpunkt auf der Hotel-Treppe erst für 20:00 Uhr angesetzt war, nutzte ich die verbleibende Zeit, um mit den Mädels die angrenzende Einkaufsmeile zu stürmen. Denn während in Deutschland sonntags die Bürgersteige hochgeklappt werden, haben die Geschäfte drüben ganz entspannt bis 21:00 Uhr geöffnet! Die Mädels waren im Kaufrausch, kramten fleißig in den Regalen und kehrten schließlich mit vollgepackten Tüten zurück.
Kartenzahlung vs. Steinzeit-Deutschland
Während die Mädels gefühlt stundenlang Klamotten anprobierten, hatte ich reichlich Zeit zum Beobachten – und mir fiel mal wieder extrem auf, wie meilenweit Tschechien uns in Sachen Digitalisierung voraus ist.
Wer dort noch mit Schein und Münzen hantiert, wird fast schon mitleidig angeschaut. Alles läuft blitzschnell per Smartphone oder Karte. Deutschland wirkt dagegen mit seinem krampfhaften Festhalten am Bargeld ehrlich gesagt wie tiefste Steinzeit. Das nervt auf Dauer einfach nur noch! Und mal unter uns: Auch das Sonntags-Shoppen ist in der heutigen Zeit ein absoluter Gewinn. Pflegekräfte, Polizei und Feuerwehr arbeiten schließlich auch sonntags – warum sollte der Handel da noch im letzten Jahrhundert feststecken?
Das legendäre „Elefantenohr“ & Ein letzter Gruß
Um 20:00 Uhr versammelte sich die gesamte Truppe pünktlich auf den Stufen vor dem Hotel. Sandra übernahm wieder das Zepter und führte die Kolonne in ein für uns neues Lokal. Schon auf dem Hinweg schwärmten alle in den höchsten Tönen von der dortigen Knoblauchsuppe und dem mysteriösen „Elefantenohr“.
Ich fragte nur ungläubig: „Was zum Geier ist ein Elefantenohr?!“
Die Auflösung folgte auf dem Fuße: Ein schnödes Missverständnis auf der Speisekarte! Es war gar kein Gebräu, sondern ein gigantisches Schnitzel so groß wie ein Elefantenohr – und die Knoblauchsuppe war schlichtweg der absolute Hammer!
Kaum hatten wir Platz genommen, gab es schon wieder ein Hallo: Sogar in diesem Lokal lief mir prombt ein altes bekanntes Gesicht über den Weg. Schöne Grüße an dich, Karsten aus Güstrow – war genial, dich mal wieder getroffen zu haben!
Nach diesem königlichen Mahl meldete sich bei mir, Sandra und Katrin langsam der Akku. Wir machten uns auf den direkten Weg zurück ins Hotelzimmer, um die Energiespeicher aufzufüllen. Der Rest der Bande blieb noch auf ein, zwei Absacker im Lokal hängen, trudelte aber rund eine Stunde später ebenfalls ein.
jeder war müde nach so einem langen Tag und einfach nur froh, endlich ins Bett zu fallen.
Montag: Frühstück neben dem Weltmeister & Die Knochenkirche von Sedlec
Montagmorgen. Ein letztes Mal das phänomenale Frühstücksbuffet genießen. Und wer sitzt bitteschön am Nebentisch? Kein Geringerer als Speedway-Weltmeister Jason Doyle! Auch Paco Castagna und andere Fahrgrößen waren im Hotel Labe abgestiegen.
Das Schöne daran: Absolut niemand belästigte die Profis mit „Kann ich ein Foto haben?“ oder Autogrammwünschen. Jeder ließ ihnen vollkommen entspannt ihre Ruhe – genau so gehört sich das. Auch ich beließ es bei einem freundlichen „Good Morning“.
Nach dem Packen hieß es Abschied nehmen von Labe. Beim Begleichen der Parkgebühren schluckten wir allerdings kurz: 135 € für die Tage von Donnerstag bis Montag! Aber hey, ein paar Sprüche geklopft, abgehakt – gehört zum Urlaub eben dazu.
Unsere Fahrt ging weiter Richtung Prag, jedoch mit einem faszinierenden Zwischenstopp nach knapp einer Stunde: Das berühmte Beinhaus in Sedlec!
Eine ehrfurchtgebietende Knochenkirche, in der die Überreste von rund 40.000 bis 70.000 Menschen aufbewahrt werden. In diesem Gewölbe zu stehen und die kunstvollen Gebilde – wie den gigantischen Kronleuchter komplett aus echten menschlichen Knochen und Schädeln – zu bestaunen, ist einfach gigantisch.
Fotografieren und Reden waren strikt verboten. Aber Nico, der alte Hund, konnte es natürlich nicht lassen! Beim Versuch zu knipsen wurde er sofort ermahnt und ihm wurde drohend der Rauswurf angekündigt. Resultat: Zwei geschmuggelte Fotos hat er gerettet und bleiben durfte er glücklicherweise auch!
Nach der Besichtigung kehrten wir im Restaurant direkt neben der Kirche ein, wo Reiner und Chris schon auf uns warteten. Wieder einmal: Hervorragendes Essen für extrem faires Geld!
Auf nach Prag: Das Kloster-Hotel & Der Endspurt beim Luboš-Tomíček-Memorial
Frisch gestärkt ging es weiter nach Prag. Und an dieser Stelle nochmal ein riesiges Dankeschön an Sandra! Sie hatte uns ein wunderschönes, ehemals altes Kloster als Hotel gebucht. Nichts gegen das Labe, aber das Kloster war modern, fantastisch hergerichtet und bot einen riesigen, traumhaften Garten.
Während die anderen direkt den klostereigenen Biergarten austesteten, machten Katrin und ich einen ausgiebigen Spaziergang durch die Anlage. Zurück bei der Truppe gabs schnell eine Cola zur Erfrischung.
Der unschlagbare Vorteil der Unterkunft: Nur 11 Minuten zu Fuß den Berg hinauf direkt zum Markéta-Stadion!
Oben angekommen war das Stadion bereits geöffnet. Kaum drin, trafen wir natürlich sofort wieder etliche bekannte Gesichter, die uns schon das ganze Wochenende über begleitet hatten. Das traditionelle Pflichtprogramm durfte zum krönenden Abschluss natürlich auch nicht fehlen: Katrin und ich holten uns erst einmal jeder eine saftige, frisch gegrillte Klobasa!
Nachdem wir die Klobasa verputzt und mit einer mysteriösen Cola runtergespült hatten – bis heute weiß ich ehrlich gesagt nicht, was das für ein Zeug war: definitiv kein Coca-Cola und auch kein tschechisches Kofola, aber erfrischend war’s trotzdem! – ging es für Katrin und mich ab an die Strecke.
Wir sicherten uns einen Platz direkt am Ausgang der Startkurve, um die besten Fotowinkel abzugreifen. Der Rest unserer Truppe machte es sich am Kurveneingang auf der Tribüne gemütlich, um die perfekte Übersicht zu haben. Diana war vollausgestattet für die Videosequenzen zuständig, während wir die Kameras für die Actionfotos glühen ließen.
Der 57. Luboš-Tomíček-Memorial: Volles Haus & Großes Kino
Um 18:00 Uhr fiel der Startschuss für das Luboš-Tomíček-Memorial. Und ich traute meinen Augen kaum: So viele Zuschauer habe ich beim Tomíček in Prag schlichtweg noch nie erlebt! Das Markéta-Stadion war richtig gehend vollgepackt. An einem gewöhnlichen Montagabend um 18 Uhr so eine Kulisse? Absolute Klasse!
Und das Rennen lieferte ab! Es war spannend, voller Action und ehrlicherweise um Längen unterhaltsamer als so mancher Grand Prix auf dieser Bahn. Warum das beim Grand Prix oft so zäh ist, im Vergleich zum Tomíček, wo auf der Piste ordentlich die Post abgeht, bleibt wohl ein ewig ungelöstes Speedway-Rätsel. Am Ende sicherte sich Andrzejs Lebedevs den verdienten Sieg!
Pfälzer Frohsinn & Ein Feuerwerk der Extraklasse
Nach Rennende machten wir uns auf den Weg zurück zur Gruppe, stolperten aber – wie sollte es anders sein – prompt über die Truppe aus der Pfalz. Und wer die Pfälzer kennt, weiß: Ohne eine ausgiebige Ratsch- und Lachrunde kommt man da nicht vorbei! Ein absolut genialer, herzlicher Haufen. An dieser Stelle ganz liebe Grüße an euch in die Pfalz!
Mitten im Plausch ging plötzlich der Himmel auf: Ein Gigantisches Feuerwerk setzte den Schlusspunkt. Raketen in Kalibern und eine Show-Länge, die in Deutschland bürokratisch völlig undenkbar wären. Einfach nur wunderschön anzusehen!
Doch die Zeit drängte: Für 21:00 Uhr war im Kloster-Restaurant unser Tisch reserviert. Wir marschierten den kurzen Weg zurück, schlossen uns den anderen an und genossen ein fantastisches Abendessen. Ein absolut rundes, gelungenes Finale für diesen Montag. Satt, glücklich und völlig platt ging es schließlich ab ins Bett.
Dienstag: Der Verschlaf-Joker & Der Grenz-Shopping-Endspurt
Der Wecker war eigentlich auf 6:30 Uhr gestellt. Eigentlich. Ich hatte glatt vergessen, dass ich ihn wegen meines Montags-Rennens verstellt hatte und er auf den falschen Tag programmiert war!
Punkt 7:15 Uhr schreckte ich hoch – Panik! Schnell in die Klamotten geschlüpft, rüber zu Katrin und Diana zum Frühstück, die schon geduldig auf mich warteten. Danach im Eiltempo Koffer gepackt und ab ins Auto. Der Grund für die Eile: Ich hatte zu Hause um 13:00 Uhr einen wichtigen Krankenhaus-Termin auf dem Zettel.
Aber der Gott der Autofahrer war auf unserer Seite: Trotz Verschlafen kamen wir so sensationell gut durch den Verkehr, dass sogar noch ein spontaner Zwischenstopp drin war! Wir machten noch schnell einen Asienmarkt an der Grenze unsicher und tankten das Auto für unschlagbare 1,78 € voll. (Zum Vergleich: Bei uns zu Hause kratzt das E10 zu der Zeit an den 2,14 € – da lacht das Sparer-Herz!)
Am frühen Nachmittag rollten wir schließlich überglücklich, reich an Anekdoten und mit wunderbaren Erinnerungen wieder daheim auf den Hof.
Fazit
Was für ein unvergesslicher, grandioser Trip! Fünf Tage voller Speedway-Action, Lachanfällen, Burger-Berg-Missverständnissen, Gothic-Kultkneipen und bester Gesellschaft.
Pardubice und Prag 2026 waren eine glatte 10 von 10 – und 2027 greifen wir garantiert wieder an!
Ich hoffe, dieser kleine Reisebericht hat euch genauso viel Spaß gemacht wie uns der gesamte Trip.
Euer Tom